Im Sommer 2014 nahm die Berner Gemeinde Riggisberg freiwillig 150 Flüchtlinge auf. Geblieben sind bis heute dreissig Eritreer und ein Verein von freiwilligen Helfern, der von der reformierten Kirche getragen wird. Eine Geschichte über Einsatz, Rückschläge und eritreische Esskultur.

Von Beatrice Bösiger und Vanessa Buff

Die Decke im Festsaal von Schloss Riggisberg ist rauchgeschwärzt, vor dem Fenster liegt das satt- grüne Gürbetal, und am Horizont leuchtet weiss das Alpenpanorama. Auf dem Nachbarhügel steht die Kirche, darunter liegt das Dorf wie hingewürfelt.
Wo einst bürgerliche Gutsherren residierten, riecht es heute nach Curry, Chili und Koriander. Serviert wird Injera, ein traditionelles Gericht aus der eritreischen Küche. Weiches, säuerlich schmeckendes Fladenbrot wird dabei mit verschiedenen Saucen und Eintopfgerichten garniert und von Hand verzehrt. Gekocht haben Flüchtlinge aus dem Land im Nordosten Afrikas, die in Riggisberg wohnen. Das gemeinsame Abendessen mit den Dor ewohnern soll dafür sorgen, dass die Menschen sich besser kennenlernen. Denn obwohl Eritreer und Riggisberger schon seit drei Jahren zusammenleben – so richtig verstehen sie einander noch nicht.

Asylnotstand in Bern

Rückblende: Es ist der Sommer 2014, die Fussballwelt blickt gebannt nach Brasilien, über der Ostukraine wird ein Flugzeug der Malaysia Airlines abgeschossen, und vor der libyschen Küste ertrinken 150 Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa. In Italien schnellen die Asylzahlen in die Höhe, und auch in die Schweiz gelangen immer mehr Menschen. Bund und Kantone kommen an ihre Grenzen, der Kanton Bern muss im Juni gar den Asylnot- stand ausrufen und die Gemeinden um zusätzliche Infrastruktur für die Flüchtlinge bitten. Nur Riggisberg meldet sich freiwillig, das 2500 Einwohner zählende Dorf auf dem Längenberg, fünfzehn Kilometer südlich von Bern. Das überrascht viele: Die Politik dort wird von der SVP dominiert. Rund 46 Prozent der Stimmbeteiligten wählten bei den Nationalratswahlen 2011 die Partei, 2015 waren es mehr als die Hälfte.

Mitverantwortlich für den Entscheid, die Zivilschutzanlage im Dorf für Flüchtlinge zu öffnen, war Christine Bär-Zehnder, Pfarrerin im nahe gelegenen Wichtrach und damals Gemeindepräsidentin von Riggisberg. Ihr sei sofort klar gewesen, dass das Dorf helfen könne, sagt sie. Doch vor allem die Anwohner rund um die Zivilschutzanlage sowie die Anhänger der SVP wehrten sich gegen ihre Pläne. Es kämen doch nur Scheinasylanten und Wirtschaftslüchtlinge, hiess es.

Dass sie ihre Ratskollegen doch noch überzeugen konnte, schreibt Bär-Zehnder, selber parteilos, der Stimmung im Gremium zu. In sachpolitischen Fragen sei eine gute Zusammenarbeit möglich gewesen, auch mit der SVP. Am Ende stimmte der Gemeinderat einstimmig für das temporäre Asylzentrum.

Allerdings stand da wohl auch ein gewisses Kalkül dahinter: Wer dem Kanton freiwillig Hand bietet, kann Bedingungen stellen. So wurde etwa der Betrieb des Durchgangszentrums gleich von vornherein bis Ende 2015 befristet. Der grösste Teil der Bevölkerung habe sich schliesslich mit der Entscheidung arrangiert; nun sei es nur fair, dass auch der Kanton Zugeständnisse mache, argumentierte der Gemeinderat.

Riggisberg landet in den Schlagzeilen

Riggisberg blieb nur wenig Zeit, um sich auf die Ankunft der ersten Flüchtlinge vorzubereiten. Anfang August wurde das Zentrum mit einer Kapazität von maximal 150 Personen eröffnet. Die meisten Migrantinnen stammten aus Eritrea, Syrien, einige wenige aus Afghanistan und Pakistan. „Die Situation war am Anfang turbulent“, sagt Bär-Zehnder. Es fehlte an einem tragfähigen Betreuungskonzept, in der Nacht gab es zu wenig Personal in der Unterkunft, und für die Kinder musste erst eine speziell ausgebildete Lehrkraft angestellt werden.

Die Behörden platzierten indes nicht nur frisch in der Schweiz angekommene Flüchtlinge in Riggisberg, sondern auch straffällig gewordene oder abgewiesene Asylbewerber. Unmut und Stress entluden sich nach kurzer Zeit in einer Massenschlä- gerei. Steine flogen, Fenster gingen zu Bruch. Mehrere Verletzte mussten mit der Ambulanz ins Spital gebracht werden. Medien berichteten danach von prügelnden Asylanten, die den Riggisbergern Birnen aus ihren Gärten stehlen würden. Damals, in diesem Sommer 2014, war das für ihn ein «unglaublich schwieriger Moment», sagt Daniel Winkler.

Winkler ist Pfarrer in Riggisberg und Mitglied bei Riggi-Asyl, einem Verein, der von der reformierten Kirche getragen wird und sich bereits kurz nach der Eröffnung des Zentrums zusammengeschlossen hat. Die Freiwilligen wollten den Flüchtlingen die Gelegenheit bieten, der Enge und Eintönigkeit der Zivilschutzanlage zu ent iehen. Ein regelmässiger Kaffeetreff wurde organisiert, Nähkurse, Lernhilfen und ein wöchentliches Fussballtraining. In einem eigenen Garten konnten die Flüchtlinge Gemüse anbauen. Ihrerseits leis- teten sie gemeinnützige Arbeit. Räumten den Abfall im Dorf weg, schippten Schnee, und als es im August zu Überschwemmungen kam, halfen sie hinterher mit, die Felder aufzuräumen.

Doch nicht alle mochten die Flüchtlinge willkommen heissen. Mitglieder der Kirchgemeinde beklagten sich, der Pfarrer würde zu viel Zeit den Ausländern widmen und die eigene Gemeinde vernachlässigen. Für Winkler jedoch, der seit zwölf Jahren als Pfarrer im Dorf arbeitet, war die Sache klar: «Verschliesst sich die Kirche der Not der Flüchtlinge, verrät sie ihren Auftrag.» Schwachen und Bedürftigen zu helfen, unabhängig von ihrer Hautfarbe, Religion oder Nationalität, sei christliche Pflicht – und eine Rückbesinnung auf das Kerngeschäft der reformierten Kirche.

Heute, genau drei Jahre später, hat sich die Lage beruhigt. Das temporäre Asylzentrum wurde wie geplant geschlossen, noch gut dreissig Eritreer sind seither privat im Dorf und in der nahen Umgebung untergebracht. Bei den Fahrten im Postauto schallt auch von den jüngsten Mitgliedern der Gruppe ein deutlich vernehmbares «Grüessech» durch den Wagen.

Riggi-Asyl kümmert sich weiter um die verbliebenen Menschen. Viele haben im Verein eine neue Aufgabe gefunden – auch solche, von denen es kaum jemand im Dorf vermutet hätte. So etwa Trudi Schwander, die hier aufgewachsen ist und gemein sam mit ihrer Familie eine Metzgerei geführt hat. Heute ist sie pensioniert. Als ihr Mann noch lebte, sass er für die SVP im Gemeinderat, war Gemeindepräsident, Grossrat und Obmann des Schwingervereins. Im Gang ihres Hauses hängt ein Plakat, auf dem ein Schwinger in kurzen Hosen und mit hochgestreckten Armen posiert. Ihr Mann sei dafür Modell gestanden, sagt sie stolz. Was hätte er wohl zum Engagement für die Flüchtlinge gesagt, Frau Schwander? «Er hätte es bestimmt gutgeheissen», sagt sie. Ihrem Mann sei immer wichtig gewesen, Bedürftige zu unterstützen.

Nun hilft die Rentnerin den Asylsuchenden dabei, sich im Schweizer Alltag zurechtzu nden. Den meisten fehlt noch der Führerschein, deshalb übernimmt sie Fahrten zum Arzt oder ins Spital bei einem Notfall. Sie ist bei den Elterngesprächen in der Schule dabei und sorgt dafür, dass die Kinder nicht mit leerem Rucksack auf die Schulreise gehen. Als ein junger Eritreer seine Freundin heiraten wollte, half sie ihm, die nötigen Papiere zu organisieren. Das sei ein grosser Aufwand gewesen. Kaum lieferte das eritreische Konsulat endlich das gewünschte Dokument, war ein anderes schon wieder abgelaufen. Am Ende hatten sie dennoch Erfolg, die Hochzeit konnte statt finden.

Leben in ständiger Unsicherheit

Das Ziel von Trudi Schwander und den anderen Freiwilligen ist, dass die Eritreer so rasch wie möglich unabhängig werden und nicht mehr vom Staat leben müssen. Dazu brauchen sie vor allem eines: Arbeit. Die Voraussetzungen dafür sind in Riggisberg nicht schlecht. Es gibt ein Spital und mehrere soziale Einrichtungen, bei denen einige schon erste Einsätze geleistet haben. «Die Zusammenarbeit mit den Institutionen funktioniert sehr gut», sagt Pfarrer Daniel Winkler.

Arbeitsplätze in der Industrie gibt es dagegen kaum. Riggisberg liegt in einer ländlichen Gegend, Einfamilienhäuser, kleine Wohnblöcke und behäbige alte Bauernhäuser mit ausladenden Dächern und Rundbögen wechseln sich ab. Ein Spaziergang entlang der Hauptstrasse führt an einem Dorfladen, einem Schuhgeschäft und einem Brautmodengeschäft vorbei. Die Bäckereien heissen hier Confiserien, und statt im Café trifft man sich im Tea-Room. Vor der Käserei liefern Bauern ihre frische Milch ab. Der Geruch nach säuerlicher Molke und frisch gemähtem Heu liegt in der Luft, Kuhglocken bimmeln. Einzig ein paar Biker in schwarzer Lederkluft, die auf ihren Motorrädern über die Strasse knattern, stören das Idyll. Auf dem Helm trägt einer zwei rote Teufelshörnchen.

Mitten im Dorf, unmittelbar neben der Endstation des Postautos, arbeitet Michael Bürki. Er leitet die örtliche SVP-Sektion und ist seit Anfang des Jahres Nachfolger von Christine Bär- Zehnder als Gemeindepräsident. Bürki, ohne Krawatte im farbigen Hemd, ist für die Leute im Dorf der «Mike». Politisch ist der 38jährige ein Urgestein; bereits seit 13 Jahren sitzt er im Gemeinderat. Auch er hat damals für das Flüchtlingsheim gestimmt: «Dafür wurde ich an der nationalen Parteiversammlung schon mit scheelen Blicken bedacht.» In Riggisberg seien deswegen sogar Leute aus der Partei ausgetreten, sagt Bürki. Wirklich geschadet hat der SVP ihre Zustimmung zum Asylzentrum aber nicht. Bei der letzten Wahl in den Gemeinderat konnte sie sogar noch einen Sitz dazugewinnen und hat nun fünf von sieben Mandaten inne.

In der Flüchtlingsfrage verfolgt der Gemeindepräsident eine pragmatische Linie. Grundsätzlich wäre es ihm zwar lieber, wenn die Schweiz den Flüchtlingen vor Ort, also in den Herkunftsländern, helfen würde. Wenn die Menschen jedoch in der Schweiz seien, setze er sich für ihre Unterstützung ein – zumindest so lange, wie das Asylverfahren laufe. «Bei einem abgelehnten Asylantrag müssen die Flüchtlinge die Schweiz verlassen, sofern keine gewichtigen Gründe dagegensprechen», sagt Bürki.

Seit die Behörden letztes Jahr ihre Asylpraxis verschärft haben, erhalten viele Eritreer einen negativen Entscheid. Da Rückführungen nach Eritrea aber zurzeit nicht möglich sind, werden diese Menschen meist vorläufig aufgenommen. Sie dürfen arbeiten, doch die bürokratischen Hürden dafür sind hoch. Viele potenzielle Arbeitgeber stellen vorläufig Aufgenommene lieber gar nicht erst ein. Bei anderen Flüchtlingen wird der negative Entscheid aber auch in zweiter Instanz durch das Bundesverwaltungsgericht nicht revidiert. Sie dürfen nicht arbeiten, müssen von der Nothilfe leben. Im Kanton Bern liegt diese bei ungefähr acht Franken pro Tag. Winkler befürchtet, dass die Eritreer so zunehmend in die Illegalität gedrängt werden. Bereits zweimal kam es im Dorf zu einem Selbstmordversuch. Einige sehen hier einen Zusammenhang mit den schwierigen Lebensbedingungen.

Hinzu kommt, dass Migranten aufgrund des geltenden Dublin-Systems mit einer Rückschaffung in das Land rechnen müssen, in dem sie bei ihrer Ankunft in Europa registriert wurden. Bereits einmal nahm die Polizei einen der Eritreer in Riggisberg in Ausschaffungshaft. Er sollte nach Italien zurückgebracht werden, wo er nach seiner Ankunft aus Libyen registriert worden war. Daniel Winkler intervenierte bei der Justiz- und Polizeidirektion des Kantons Bern und direkt bei Justizministerin Simonetta Sommaruga. Mit Erfolg: «Als Mohammed Ali eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung aus humanitären Gründen erteilt wurde, war das für mich einer der schönsten Momente seit der Eröffnung des Flüchtlingsheims», sagt er.

Für die Integration ist die Unsicherheit alles andere als förderlich. Das weiss auch Tewie, der seit drei Jahren in Riggisberg lebt. In Eritrea studierte er Biologie und sass im Gefängnis, «aus politischen Gründen», wie er sagt, ohne Gerichtsverfahren und ohne Nachricht an seine Familie. Wegen seiner Haft wurde er in der Schweiz als Flüchtling anerkannt, doch bis es so weit war, mochte er nicht einmal einen Sprachkurs besuchen. «Ich wusste ja nicht, ob ich hier überhaupt eine Zukunft habe oder das Land wieder verlassen muss», sagt er. Erst mit dem positiven Asylbescheid sei das Interesse gekommen. Heute spricht Tewie fliessend Hochdeutsch, nur hin und wieder fragt er im Gespräch nach, sucht nach dem richtigen Ausdruck.

Nach der Schliessung des Asylheims blieb er freiwillig in Riggisberg, zu seiner Schwester nach Biel wollte er nicht. Im Dorf komme er schneller mit den Leuten ins Gespräch und das sei gut, um Deutsch zu lernen, meint er. Der junge Mann, der eigentlich Tewelde Debesay heisst, aber von allen Tewie genannt wird, trinkt einen Kaffee im Restaurant Sonne. Auf der Terrasse sitzt eine Gruppe Radfahrer bei Apfelschorle und «Panasch», während ein Mann mit Rollator versucht, sich seinen Weg durch die Tische zu bahnen. Tewie steht auf und führt ihn zu einem freien Platz. Er arbeite gern mit Menschen, sagt er hinterher. Nach einem Praktikum hat er im Sommer eine Ausbildung zum Gesundheitsfachmann begonnen.

Dass er mit seinen 34 Jahren nun wieder die Schulbank drücken und zudem in einer Fremdsprache die Ausbildung absolvieren muss, macht Tewie ein wenig nervös. Durchziehen will er es trotzdem: «Ich finde im Gesundheitsbereich sicher am schnellsten Arbeit», sagt er. Dann könne er sein eigenes Geld verdienen und finanziell unabhängig werden.

Genau das spielt in der Schweiz eine grosse Rolle, das hat der junge Eritreer begriffen. Wo er denn das Geld für die Zigaretten herhabe, fragte ihn sein Nachbar einmal, Tewie bekäme doch nur Sozialhilfe und die müssten die Schweizer auch noch nanzieren. Andere Menschen im Dorf haben die Befürchtung, dass wegen der Flüchtlinge die Steuern erhöht würden. Der Verein Riggi-Asyl hält dagegen; laut Daniel Winkler habe die Gemeinde durch das Flüchtlingsheim sogar noch Geld eingenommen, da der Kanton dafür Miete bezahlte.

Angekommen? Noch nicht ganz

Tewie ist aufgrund seiner Sprachkenntnisse fast so etwas wie eine Respektsperson unter den Eritreern im Dorf. Er kennt alle, wird gerufen, wenn es darum geht, einen Brief zu schreiben, auf Ämtern zu übersetzen oder mit Journalisten zu sprechen. Deshalb weiss er auch, dass es vielen aus der Gruppe schwerfällt, eine Arbeit zu suchen oder sich auf den Deutschkurs einzulassen. Viele fühlten sich in Riggisberg noch fremd, meint er.

Fast alles ist neu für die Menschen: etwa die richtige Bedienung der Waage in der Früchte- und Gemüseabteilung oder der Fahrscheinautomat im Postauto. Und das Kaffeekochen in Schweizer Wohnungen: Traditionell rösten Eritreer die Bohnen nämlich erst in einer Pfanne auf einem elektrischen Herd, bevor sie den Kaffee in einem Tongefäss kochen. Der Rauch, der dadurch entsteht, ist so stark, dass deswegen schon die Feuerwehr ausrücken musste.

Vielleicht wird es noch eine Weile dauern, bis sich aus dem Nebeneinander im Dorf ein richtiges Miteinander entwickelt. Vielleicht realisiert sich Heimat aber auch in kleinen Gesten. Etwa wenn man sich in der kleinen Trutzburg auf dem Hügel über dem Dorf zum Injera-Essen trifft. Zwar sorgt das unbekannte Menu bei den Schweizer Gästen zu Beginn für eine gewisse Skepsis. Behelfsmässig versuchen sie, das Fladenbrot wie einen Kebab zu rollen. Doch das Zögern ist nicht von Dauer. Schon bald greifen alle mit ihren Fingern zu. Noch lange wird an diesem Abend bei Kaffee und Süssigkeiten über Unterschiede beim Kochen und Essen zwischen den beiden Ländern diskutiert. Die Eritreer selbst haben bereits Pläne für ihre Zukunft: Sie möchten in Riggisberg ein eritreisches Restaurant eröffnen.

Eritrea – Autokratie am Horn von Afrika

Laut Schätzungen verlassen monatlich 4000 bis 5000 Eritreer ihr Land. Als einen der Hauptgründe nennen viele den «Nationaldienst». Dieser ist seit dem Krieg gegen Äthiopien von 1998 bis 2000 zeitlich unbegrenzt. In Militärcamps und Gefängnissen des autokratischen Ein-Parteien- Staates kommt es zudem laut einem Uno-Bericht regelmässig zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit, etwa Versklavung, Vergewaltigung und Folter.

Der Grossteil der eritreischen Flüchtlinge reist über das Mittelmeer nach Europa. Diese Migrationsroute gilt als die gefährlichste der Welt. Gemäss der Internationalen Organisation für Migration sind hier zwischen Januar und Juni 2017 bereits mehr als 2000 Menschen ertrunken.

Im vergangenen Jahr kamen 5143 Menschen ums Leben, 2015 waren es 3784. Die Dunkelziffer liegt aber wohl um einiges höher. 2016 stellten 5178 Flüchtlinge aus Eritrea einen Asylantrag in der Schweiz. Über 42,5 Prozent wurden positiv entschieden.

Allerdings mehrten sich in den vergangenen Jahren auch kritische Stimmen. Vor allem bürgerliche Politiker äusserten Zweifel, dass die Lage in Eritrea wirklich so schlimm sei wie von den Geflüchteten beschrieben. So forderte etwa der Nationalrat und ehemalige FDP-Präsident Philipp Müller noch im Januar ein Rückübernahmeabkommen mit dem ostafrikanischen Land.

Der Artikel ist zuerst im Magazin Bref erschienen

Geschrieben von Beatrice Bösiger

Freelance Journalist. Moscow and more

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